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Sunday, April 04, 2010

German Translation of Graham Harveys Animist Manifesto

German Translation of Graham Harveys Animist Manifesto
Special thanks to Her DragonMill and Christian!

Alles, was existiert, lebt.
Alles, was lebt, verdient es, respektiert zu werden.
Was man respektiert, muss man nicht unbedingt mögen.
Jemanden nicht zu mögen ist kein Grund, ihn nicht zu respektieren.
Jemanden zu respektieren ist kein Grund, ihn nicht zu essen.

Angenommen, alles, was existiert, lebt, dann ist es besser von “Personen” zu sprechen oder von “Leuten”, als von “Wesen” oder “Geistern”, und schon gar nicht von “Biomechanismen”, “Ressourcen”, “Besitztümern” oder “Dingen”

Die Welt ist voll von Personen (oder Leuten, wenn man so will), aber nur wenige von ihnen sind Menschen.

Die Welt ist voll von anders-als-Menschen Personen
Die Welt ist voll von anders-als-Eiche Personen
Die Welt ist voll von anders-als-Stachelschwein Personen
Die Welt ist voll von anders-als-Lachs Personen
Die Welt ist voll von anders-als-
Die Welt ist voll von anders-als-Stein Personen

“Anders-als” hat wenigstens drei Referenzen:

Es erinnert uns daran, dass wir Personen sind in Beziehungen zu anderen

Es erinnert uns daran, dass viele unserer nächsten Verwandten Menschen sind, während die nächsten Verwandten der Eichen Eichen sind, also fällt es uns am leichtesten mit Menschen zu reden, während Steine am leichtesten mit Steinen reden…

Es erinnert uns daran, zuerst von dem zu sprechen, dass wir am besten kennen (diejenigen, die uns am nächsten stehen)

Mache diese vier Referenzen:

Es erinnert uns daran, Unterschiede als eine Gelegenheit wahrzunehmen und zu feiern, die es uns erlaubt, unsere Beziehungen auszuweiten, anstatt sie als Ursache von Konflikt oder Eroberung zu sehen

Alles Leben hängt von einander ab, und unsere persönlichen Unterschiede sollten nicht in Identitäten zusammenbrechen

Die Anderen und das Andere lassen uns offen bleiben für Veränderung, für das Werden, nicht festgezurrt sein im Sein

Der Animismus ist weder monistisch, noch dualistisch, er fängt dann gerade erst an, wenn man über das bloße Zählen Eins, Zwei, … hinausgeht… Wenn der Animismus rockt, ist er allumfassend, supergeil, völlig schamlos und von einem wuchernden Pluralismus


Respekt bedeutet, achtsam zu sein und konstruktiv.

Es bedeutet Anderen achtsam zu begegnen - und unseren eigenen Bedürfnissen.

Es bedeutet Beziehungen aufzubauen, Gelegenheiten zu schaffen, zum reden, zum sich beziehen, zum zuhören, Zeit zu verbringen in der Präsenz und der Gegenwart von anderen

Es bedeutet sich zu kümmern, sich wichtig zu sein, sich etwas zu bedeuten, achtsam zu sein…

Respekt kann man ausdrücken, indem man alleine lässt oder indem man beschenkt

Man muss nicht jeden Baum umarmen, um ihm Respekt zu zollen, aber man müsste sie dort wachsen lassen, wo sie es tun - unter Umständen müsste man seine Telefonleitung oder Gewächshaus umsetzen

Man müsste die Straße am Stein oder am Baum vorbeibauen

Es kann unhöflich sein, Bäume zu umarmen, die man nicht kennt - vielleicht stellst du dich erst mal vor?

Die Erde und der Kosmos sind kein netter und einfacher Ort zum leben, nur weil sie voll von Leben sind. Viele Personen sind einigermaßen unfreundlich zueinander. Viele sehen in uns ein gutes Abendessen. Vielleicht respektieren sie uns, während sie uns essen? Vielleicht müssen sie erst noch etwas lernen? Vielleicht lernen sie - genau wie wir - am besten zusammen mit anderen; mit anderen, die Respekt zeigen auch für die, die sie nicht mögen und vor allem für die, die ihnen so gut schmecken!

Das Leben ist nicht sinnlos, auch wenn die Evolution kein Ziel hat. Der Sinn des Lebens ist es, ein guter Mensch zu sein - oder ein guten Stein oder ein gute Dachs.
Es gilt heraus zu finden, was “gut” bedeutet, dort, wo wir leben, dann, wann wir leben und mit den Menschen, Pflanzen und Tieren und Steinen, mit denen wir leben, usw. Vieles davon ist sicherlich abgedeckt mit dem Wort “Respekt” und allem, was es beinhaltet.

Da alles, was existiert, lebt - und da alles, was lebt, in einem gewissen Sinne und zu einem bestimmten Grad bewusst ist, kommunikativ und beziehungsfähig - und da viele der Personen, mit denen wir Menschen diesen Planten teilen, viel eher Bescheid wissen, was eigentlich abgeht, können wir jetzt diese ganze Dummheit mal seien lassen, von wegen wir seien der Nabel der Welt, die höchste Weihe der Evolution, das Bewusstsein der Erde oder des Kosmos… Wir sind nur ein Teil der ganzen lebendigen Gemeinschaft und wir haben noch einiges zu lernen. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Erde zu retten oder für die Tiere zu sprechen oder höhere geistige Ebenen zu erreichen. Viele andere, nicht-menschliche Personen sind schon längst glücklich sich ihrer selbst bewusst, vielen Dank! Und wenn wir aufmerksam wären, könnten wir selber ein paar Dinge lernen. Nebenbei bemerkt: Wir gehen wahrscheinlich nicht alleine falsch in der Annahme, uns für die wichtigsten Personen der Welt zu halten: Stachelschweine denken wahrscheinlich genau dasselbe (aber sie sind stachelige, von Fliegen umschwirrte Biester, also warum sollten wir ihnen glauben?!)

Mmh, als ich sagte “alles, was existiert, lebt” - ich bin mir bei Plastiktüten da nicht so sicher.

Aber ich bin mir sicher, dass wir Objekte nicht einfach als Ressourcen behandeln sollten, die uns oder der Menscheit halt irgendwie zugänglich sind oder gar geschenkt wurden, um sie zu benutzen wie es uns gefällt.

Dasselbe gilt für Wörter wie “Substanzen”, vor allem für diejenigen, die aus Pflanzen oder Pilzen stammen. Es gibt zwar Substanzen, aber sie gehören solange nicht uns, bis sie uns gegeben oder geschenkt wurden. Und wir sollten besser zusehen, dass wir nachfragen, wie man diese Substanzen am besten verwendet (sei es für das Wohlbefinden, für Macht, Weisheit oder was auch immer). Das gilt besonders dann, wenn die Pflanzen- oder Pilzperson, die das Substanz-Geschenk anbietet, ihr Leben in diesem Prozess verliert.

Vielleicht will uns der Pilz manchmal einfach nur helfen an dem großen Gespräch teilzunehmen, dass um uns herum stattfindet. Aber nicht alle Steine, Fische, Pflanzen, Pilze, Vögel, Tiere oder Menschen wollen gerade mit uns sprechen:

Manchmal wollen sie leise sein.
Manchmal wollen sie stören
Manchmal haben sie andere Sorgen
Manchmal verstehen sie einfach nicht
Manchmal sprechen wir die Sprache nicht
Manchmal kenne wir das passende Geschenk nicht

Die genaue und angemessene Art Respekt zu zeigen hängt davon ab, wo man ist, wer man ist, wen man respektiert und was dieser erwartet. Geschenke, so wie Schwerter und Wörter, haben mehr als eine Seite. Alkohol ist ein Geschenk an einem Ort, an einem anderen ein Gift. Ein Handschlag ist freundlich hier, und ein Ausdruck von Stärke anderswo. Küssen ist für einige respektvoll, für andere eine Attacke. Eine respektvolle Etikette zu erlangen bedeutet harte Arbeit, aber die Belohnung ist eine erfüllende Teilhabe an einer großen und aufregenden Gemeinschaft des Lebens.

Manchmal brauchen wir Schamanen, um für uns zu sprechen.

Oft erfährt man Animismus während man unter einem Baum sitzt, oder auf einem Hügel, oder in einem Fluss, mit einem Stachelschwein, neben einem Feuer… Animismus erfährt man eher durch raffinierte Geschichten, durch Lieder voller Seele, kraftvolle Gedichte, reizende Rituale, und/oder durch elementare Etikette, als durch ein Manifest.

1 comments:

Dragoneye said...

Bless and Blessings.

Music to read by...